Impuls

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Der Arbeit von MenschMusik Hamburg liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Kräfte und Gesetze, die im Menschen, im sozialen Leben und in der Natur wirken, auch musikalischer Art sind, sich durch phänomenologisch-meditative Arbeitsweise erfahren und erkennen, und für eine künstlerische, pädagogische und therapeutische Arbeit fruchtbar machen lassen.

Die auf diese Wechselbeziehung von Mensch und Musik gegründete Arbeitsmethode ermöglicht es, die Musik in ihren Formen und Elementen sowie ihrer historischen Entwicklung als ein Bild des Menschen bewusst zu machen und umgekehrt die den Menschen konstituierenden Kräfte musikalisch auszudrücken. Es entsteht so ein menschliches Bild der Musik und ein musikalisches Bild des Menschen.

Der Maßstab der Ausbildung von MenschMusik Hamburg liegt in diesem Sinne einerseits in jedem einzelnen Studenten, in dessen Zielsetzungen und individuellen Entwicklungspotentialen. Andererseits liegt der Maßstab der Ausbildung in der Musik selbst, in ihren Anforderungen und Entwicklungsbedingungen sowie in den spezifischen Erfordernissen der jeweiligen Berufsfelder.

Ziel der Ausbildung ist der selbständig und unternehmerisch handelnde Musiker, der in der Lage ist, situativ immer wieder neue Formen im Umgang mit Musik zu erfinden und zu vermitteln. 

 

Fünf Leitmotive der Ausbildung

Mit Musik berühren – der Künstler

Es ist uns ein Anliegen, Künstler auszubilden, die mit der Musik über den eigenen persönlichen Ausdruck hinausgehende Aussagen machen wollen und die sich gleichzeitig als Menschen tief persönlich damit verbinden, was sie auf der Bühne zum Ausdruck bringen. Eine Voraussetzung für ein lebendiges, das Publikum berührendes Musizieren liegt darin, sich selbst berühren und beeindrucken zu lassen von der Musik. In diesem Sinne sind die Ausbildung eines inspirierten Hörens, eines bewussten Empfindens und einer schöpferischen Gestaltungskraft wesentliche Bestandteile der künstlerischen Ausbildung.

Mit Musik Potentiale entfalten – der Pädagoge

Kennen Sie das Erlebnis, sich einmal von einem Lehrer tief gesehen gefühlt zu haben, in Ihren innersten, verborgenen Anliegen, aber auch in dem, was Sie daran hindert, diese zu verwirklichen? Es kann mit großer Kraft Entwicklungspotentiale freisetzen, sich auf diese Weise liebevoll von einem anderen Menschen in der eigenen Entwicklung wahrgenommen und begleitet zu fühlen! Wir wollen Musiklehrer ausbilden, die zusätzlich zum notwendigen instrumentalen und pädagogischen Handwerkszeug das Interesse für den sich entwickelnden Menschen im Schüler aufbringen können und diese Entwicklung begleiten und fördern wollen.

Mit Musik Zwischenräume öffnen – der Musiker im Sozialen

Musik kann trösten, heilen und Lebensfreude wecken. Gemeinsames Musizieren und Erleben von Musik ermöglicht tiefe Begegnungsräume und wirkt unabhängig von Alter, Herkunft und musikalischen Vorkenntnissen als ein aufbauendes, harmonisierendes, verbindendes Tun. Die gesellschaftliche Nachfrage ist groß nach Musikern, die kreativ und vielseitig soziale und therapeutische Prozesse durch Musik begleiten können. Weiterentwicklung ist heute nur möglich mit einer Bereitschaft zum Improvisieren, einem inspirierten Handeln aus dem Moment heraus. Wir unterstützen die Studierenden dabei, neue musikalische Berufsformen zu entwickeln, um auf diesen Bedarf eingehen zu können.

„Lernen kann man immer nur selbst“ – der Forscher

Es geht uns als Ausbilder darum, Lernen als eine Angelegenheit individueller Initiative ernst zu nehmen. Der Studierende lernt schrittweise, die Verantwortung für dieses „Selbstlernen“ zu übernehmen. Das Ziel ist es, den inneren Quellpunkt zu entdecken, aus welchem die individuelle Lerninitiative entspringt.
Wir arbeiten mit goetheanistisch-phänomenologischen Methoden daran, die einzelnen musikalischen Elemente in ihren Qualitäten zu erfassen und handhaben zu lernen. Gleichzeitig versuchen wir, musikalisch-lebendige Formen des Denkens zu entwickeln, in denen auch das Herz als Hörorgan mit ausgebildet wird. Ein musikalisches Bild des Menschen und ein menschliches Bild der Musik entsteht und wird zur Inspirationsquelle der eigenen künstlerisch-pädagogischen Tätigkeit.

„Studieren in Projekten“ – der Unternehmer

Wir bauen auf die Initiativkraft der Studierenden: Unter dem Motto „Studieren in Projekten“ lernen sie bereits in der Ausbildung anhand von begleiteten Prototyp-Situationen mit ihren künstlerischen und pädagogischen Projekten real in der Verantwortung zu stehen. Mut und Selbstvertrauen entstehen, um individuelle musikalische Berufswege zu gehen. Das Studium bereitet so auf eine freiberufliche, selbständige Tätigkeit vor.

 

Impulsverwandte Texte

Arnold Schönberg

Bildschirmfoto 2016-04-19 um 17.31.00Wie gerne ich durch persönliche Leitung und durch Unterricht an dieser Anstalt beitragen möchte, kann ich durch Worte nicht ausdrücken. Ich war immer ein passionierter Lehrer. Es hat mich immer gedrängt, herauszufinden, was Anfängern am besten hilft, wie man sie mit den technischen, geistigen und ethischen Erfordernissen unserer Kunst vertraut machen könnte, wie ihnen beizubringen sei, dass es eine Kunst-Moral gibt, und warum man nie aufhören darf, sie zu pflegen, jeden aber, der sie verletzt, aufs schärfste zu bekämpfen. Ich würde versucht haben, dieser Akademie eine universelle Bedeutung zu verschaffen, so dass sie geeignet ist, als Widerpart zu dienen, einer Menschheit, die sich in so mancher Hinsicht einem amoralisierenden, geschäftstüchtigen Materialismus ergibt. Einem Materialismus, hinter welchem alle ethischen Voraussetzungen unserer Kunst immer mehr verschwinden. Ein universelles Vorbild darf kein Halbwissen herausstellen. Es darf nicht Instrumentalisten erziehen, deren größte Geschicklichkeit bloße Geschicklichkeit ist, die es versteht, sich dem allgemeinen Unterhaltungsbedürfnis anzupassen. Aus einem solchen Institut müssen wahre Priester der Kunst hervorgehen, die der Kunst mit derselben Weihe entgegentreten, wie der Priester Gottes am Altar.

Arnold Schönberg, aus Emil Himmelsbach: Der Ewigkeitsimpuls in der Lebensdramatik großer Musiker, S. 205/206

 
 Paul Hindemith

paul_hindemith_usaWenn ich Musik höre, so erlebe ich mich selbst, und zwar nicht so, wie ich bin, sondern so, wie ich sein sollte. Mein Inneres weitet sich; ich ahne, was ich einst war und woher ich kam; ich fühle an mir wirken, was ich einst werden möchte.

 
 
 
 
 
 
Yehudi Menuhin
Zur Bedeutung des Singens

Bildschirmfoto 2016-04-19 um 17.35.40Das Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen: dann ist sie die natürlichste und einfachste Weise, in der wir ungeteilt da sind und uns ganz mitteilen können – mit all unseren Erfahrungen, Empfindungen und Hoffnungen.

Das Singen ist zuerst der innere Tanz des Atems, der Seele, aber es kann auch unsere Körper aus jeglicher Erstarrung ins Tanzen befreien und uns den Rhythmus des Lebens lehren.

Das Singen entfaltet sich in dem Maße, wie es aus dem Lauschen, dem achtsamen Hören erwächst. Singend können wir uns darin verfeinern, unsere Mitmenschen und unsere Mitwelt zu erhören.

Immer geht uns der Gesang eines Menschen unmittelbar an, wächst ein Verstehen, Teilhaben und Begreifen über alle Begriffe hinaus. Das ist meines Erachtens nur möglich, weil im Singen sich das menschliche Doppelwesen offenbart: Singen gehört fraglos zur Natur des Menschen, so dass es gleichsam keine menschliche Kultur gibt, in der nicht gesungen würde. 
In einer Zeit, in der die natürlichen und geistig-seelischen Vermögen der Menschen immer mehr zu verkümmern scheinen, so dass möglicherweise unsere Zukunft überhaupt bedroht ist, brauchen wir notwendig alle nur möglichen Quellen der Besinnung, die uns offen stehen.

Singen birgt nun unvergleichlich das noch schlummernde Potential in sich, wirklich eine Universalsprache aller Menschen werden zu können: Im Singen offenbart sich der gesamte Sinn- und Sinnenreichtum der Menschen und Völker.

Düsseldorf, den 12. Februar 1999 (verfasst als Schirmherr von Il canto del mondo)

 
Sergiu Celibidache

celibidache2»In jedem musikalischen Ton ist das, was ihm vorausgegangen, ebenso das, was aus ihm wird potenziell enthalten. In jedem Ton ist das Wesen des Ganzen vorhanden, indem man ständig Vergangenheit werdende Zukunft vergegenwärtigt… Musik ist nicht, sondern wird. Musik wird nicht etwas, sondern etwas wird Musik.«

 
 
 
 
Hermann Pfrogner

Pfrogner_Herman_1967»Der musikalische Ton kann vom Menschen nicht abstrahiert werden, der ihn hervorbringt. Er hat ohne ihn keine Existenz. Denn nicht die Natur, erst der Mensch hat den musikalischen Ton in die Welt hineingeschaffen. Daraus folgt, daß er in seiner musikalischen Eigenart nicht ohne den Menschen betrachtet werden kann. Bei ihm muß man beginnen, um den musikalischen Ton auf die Spur zu kommen. Was unabhängig vom Menschen Ton genannt wird, ist nicht der musikalische Ton.«

Der Verein MenschMusik e. V. unterstützt diesen Arbeitsansatz in Unterricht, Forschung, Veranstaltungen und Publikationen.